Newsletter: Erdoğan verschärft Repressalien | Massenproteste in der Türkei: Inflation um 50% | Kavala und Demirtaş weiter in Haft

Liebe Freundinnen und Freunde des KulturForums,

In Europa kriselt es heftig an der Ukraine-, Pandemie– und Inflationsfront, während in der Türkei die von der AKP bewusst angeheizte Polarisierung zunimmt, je mehr sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert und die Kritik an den Zuständen lauter wird. Wegen sprungartiger Erhöhung der Energie-Preise kommt es mittlerweile in vielen Regionen zu Massenprotesten; ratlose Menschen verbrennen ihre Stromrechnungen.

Weil die populäre türkische TV-Journalistin Sedef Kabaş das tscherkessische Sprichwort „Ein Ochse, der in den Palast einzieht, wird kein König, der Palast aber wird zum Stall.“ zunächst in ihrer Sendung zitierte und es später nochmal twitterte, wurde sie wegen Beleidigung des Präsidenten verhaftet. Der Präsident äußerte sich sogar persönlich, dass „diese Tat nicht ungesühnt“ bleibe.

27 internationale Medienorganisationen, darunter Reporter ohne Grenzen, sprechen sich gemeinsam für die sofortige Freilassung der türkischen Fernseh-Journalistin Sedef Kabaş aus. Kabaş wird Beleidigung des türkischen Präsidenten Erdoğan vorgeworfen. In einer Talkshow hatte sie, ohne konkrete Personen zu nennen, das Sprichwort „Ein Ochse, der in den Palast einzieht, wird kein König, der Palast aber wird zum Stall“ zitiert. Erdoğan selbst kündigte an, dass mangelnder Respekt an seinem Amt bestraft werden würde. Kabaş sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. 

Auch die Sängerin Sezen Aksu erhält internationale und landesweite Unterstützung, nachdem auch sie unter den Beschuss Erdoğans geriet. Während eines Freitagsgebets sagte er, man müsse denjenigen die Zunge herausreißen, die schlecht über Eva und Adam redeten. Damit war eine Zeile aus einem früheren Lied der international bekannten Pop-Ikone gemeint, das jedoch nicht neu ist. Im Anschluss sammelten sich wütende Mobs vor Aksus Haus. Ihre Fans fürchteten zeitweise um Aksus Leben.

Die ehemalige HDP-Abgeordnete Aysel Tuğluk befindet sich nach wie vor im Gefängnis von Kocaeli, wodurch sich ihre Demenz-Krankheit fortschreitend verschlimmert. Das KulturForum hatte bereits Ende Dezember an die Bundesregierung appelliert, sich für die Freilassung von Aysel Tuğlukeinzusetzen. Ende Januar richteten 43 Anwaltsvereine, Anwälte und Menschenrechtsorganisationen einen Brief an die Vereinten Nationen mit dem dringenden Aufruf, sich für Tuğluk einzusetzen.

Bleiben wir gemeinsam hoffnungsvoll und natürlich gesund.
Mit besten Grüßen aus Köln
Ihr KulturForum-Team

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