Pressemitteilung
Am 10.02.2026 fand um 19:00 Uhr im DGB-Haus, Köln eine Informationsveranstaltung zur aktuellen Situation in Rojava (Nordsyrien) statt, initiiert von KiMe e.V. (Kinderhilfe Mesopotamien), Verein Städtepartnerschaft Köln-Qamishlo, Tüday Menschenrechtsverein Türkei Deutschland e.V. und Kulturforum Türkei-Europa.
Als Gesprächspartnerinnen waren aus Syrien Berîvan Omar, Co-Bürgermeisterin der Stadt Qamishlo und Sultan Xusho, die Vorsitzende der NGO WJAS (Stiftung der freien Frau in Syrien), online zugeschaltet und berichteten sehr eindringlich von der tagesaktuellen Situation vor Ort.
Besonders eindrucksvoll war die Schilderung Omars aus Qamishlo, einer Stadt mit ca. 500 000 Einwohnern, die innerhalb weniger Tage mehr als 100 000 Flüchtlinge aus den von den islamistischen Truppen der syrischen Übergangsregierung eroberten Städten aufnehmen und versorgen musste. Die „Vereinbarung“ mit der neuen syrischen Übergangsregierung, der die Regierung der kurdischen unabhängigen Provinz zugestimmt hat, ist durch den reinen Wunsch, zu überleben zustande gekommen und beruht eben nicht auf einer tatsächlichen inhaltlichen Einigung.
Mit Blick auf die Übergangsregierung machte sie vielmehr deutlich, dass die politische Zukunft der Selbstverwaltungsstrukturen in Nord- und Ostsyrien weiterhin mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sind.
Die Vorsitzende von WJAS, Sultan Xusho, berichtete ausführlich über die radikal demokratische Organisation der Stiftung und die täglichen Herausforderungen in der Arbeit mit den Flüchtlingen, Kriegswaisen und Vertriebenen. Sie berichtete, dass bereits zum Zeitpunkt der Angriffe in Aleppo ihre Büros vollständig zerstört worden seien. Die Arbeit in Orten außerhalb von Rojava sei seitdem massiv erschwert, teilweise sogar unmöglich geworden.
Beide Referentinnen bekräftigten, dass sie dringend auf internationale Unterstützung angewiesen seien – einerseits, um ihre Arbeit im Rahmen der Stiftung für die syrischen Frauen und Mädchen fortzuführen, andererseits, um die Selbstverwaltungsstrukturen in Nord- und Nordostsyrien zu erhalten und zu stabilisieren.
Interessiert hörten die Kölner Politikerinnen Ayfer Ersöz (stellvertretende Fraktionsvorsitzende und integrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln), Heiner Kockerbeck (Co-Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Köln) und Andreas Wolter (Sprecher für Internationales, Queer-Politik und Sport der Fraktion Bündnis 90/ DIE GRÜNEN im Rat der Stadt Köln) und zahlreiche Gäste zu.
Alle anwesenden Politiker:innen bekräftigten ihre große Solidarität mit den Menschen in Rojava und versprachen, sich für kurzfristige humanitäre Unterstützung durch die Stadt Köln einzusetzen. Deutlich wurde in der Diskussion aber auch, dass die humanitäre Hilfe keine langfristige Lösung für die Sicherheit und Freiheit dieser autonomen Republik bietet, sondern nur als Nothilfe verstanden werden kann. Langfristig ist eine durch die Kölner Politik gestützte Sicherheitserklärung beispielsweise durch Städtepartnerschaften, gemeinsame Projekte und Aktionen notwendig, an der alle gemeinsam arbeiten werden.
Insgesamt war die Auftaktveranstaltung gelungen und bot allen Beteiligten einen umfassenden Überblick über die aktuelle Bedrohungssituation in Rojava und auch anderen Teilen Syriens, in denen Minderheiten leben. Darüber hinaus wurde besprochen, dass eine Delegation in die Region geplant werden sollte, an der auch einige Gäste der Informationsveranstaltung ihr Interesse zeigten.
Bild: KulturForum
