Nachruf zu unserem Freund Doğan Akhanlı

Wir trauern um unseren lieben Freund, Schriftsteller und Menschenrechtsaktivisten Doğan Akhanlı. Er verstarb am 31.Oktober 2021 nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin.

Doğan Akhanlı war einer der Mitbegründer und treuesten und mutigsten Mitstreiter des KulturForums. Zeit seines Lebens setzte sich Doğan für die Unteilbarkeit der Menschenrechte und insbesondere für die Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern ein. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte über ihn: „Er war ein mutiger Kämpfer für Menschenrechte in der Türkei und weltweit. Seine Stimme war oft leise, aber seine Botschaft war laut und wurde gehört.

Doğan, 1957 als Sohn eines Lehrers in der Provinz Artvin am Schwarzen Meer geboren, studierte Geschichte und Pädagogik. Nach dem Militärputsch 1980 wurde er wegen angeblicher „terroristischer Aktivitäten“ politisch verfolgt und saß 1985 bis 1987 im Militärgefängnis von Istanbul. 1991 floh er nach Deutschland ins politische Asyl. 1998 wurde er von der Türkei ausgebürgert, weil er eine Rückkehr zum türkischen Militärdienst verweigerte.

Für Schlagzeilen sorgte Doğan im Jahr 2010, als er mit ähnlichen Vorwürfen wie früher bei der Einreise in die Türkei festgenommen und für mehrere Monate inhaftiert wurde. Von den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen wurde Doğan im Oktober 2011 freigesprochen. Das Erdoğan-Regime verfolgte ihn jedoch weiter und ließ ihn mit einem fadenscheinigen internationalen Haftbefehl im August 2017 in Spanien erneut festnehmen. Er durfte monatelang nicht ausreisen; die spanische Regierung verkündete allerdings auf Grund wachsender Proteste vor allem aus Deutschland im Oktober 2017 das Auslieferungsverfahren nicht weiter betreiben zu wollen. Doğan kehrte dann nach Köln zurück.

Doğan Akhanlı wurde wegen seiner literarischen Arbeit, aber auch wegen seines unermüdlichen Einsatzes für die Menschenrechte mit zahlreichen Preisen geehrt; er erhielt 2018 den Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte und 2019 die Goethe-Medaille.

In seinen Werken setzte er sich intensiv mit dem türkischen Genozid an den Armenieren auseinander, so auch in seiner Trilogie „Die verschwundenen Meere“. Zuletzt erschien in Deutschland sein Roman „Madonnas letzter Traum“, in dem er auch über die Mitschuld der Türkei an der Shoa reflektierte.

Deniz Yücel, der amtierende Präsident des PEN Deutschland, schrieb zum Tode von Doğan Akhanlı: „Als Präsident trauere ich um das Mitglied des deutschen PEN, als Leser um einen großartigen Schriftsteller, als Weggefährte um einen Streiter für Menschenrechte, Frieden und Aufarbeitung der Verbrechen an den Armeniern“.

Doğans Akhanlıs Engagement für Demokratie, Völkerverständigung und Erinnerungskultur wird uns auch weiterhin inspirieren.

Köln, 2. November 2021

KulturForum TürkeiDeutschland

Fotografin: turkankentel@yahoo.de

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