Gleichberechtigung und sozialer Frieden sind Grundlagen jeder Gesellschaft

Wir fordern eine säkulare Bildung, die sich an der Wissenschaft orientiert!

Vom 01.- 03. Dezember 2021 tagte der Nationale Bildungsrat, der höchste Beirat des Bildungsministeriums, in Ankara zum Thema “Chancengleichheit im Bildungswesen”. Anstatt nach Lösungen für die brandgefährlichen Probleme des Bildungswesens zu suchen, beschloss der Rat, den Zwangsreligionsunterricht für Kinder (4-6 Jahre) in der Vorschulzeit zu empfehlen.

Die Konzepte “Religionspflicht” und “Bildungsgleichheit” sind widersprüchliche Konzepte und das Thema “Bildungsgleichheit” ist ein Deckmantel für alle Ungleichheiten, die von der politischen Macht initiiert wurden.

Mit Religionspädagogik ist hier gemeint, unseren Kindern unabhängig vom Glauben der Eltern die Vorstellungen und Rituale eines bestimmten Religionsverständnisses aufzuzwingen. Diese Entscheidung verstößt nicht nur gegen den Grundsatz des „übergeordneten Kindeswohls“, sondern strebt auch die Assimilierung von Kindern anderer Glaubensgemeinschaften und hindert eine adäquate pädagogische Erziehung.

Trotz des jahrelangen politischen Ringens um die Abschaffung des Zwangsreligionsunterrichtes missachtet die türkische Regierung die EMRK-Entscheidungen und die darin unterzeichneten Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention, fügt neue Religionsunterricht in den Lehrplan ein und verwandelt viele Schulen in sog. Imam-Hatip-Schulen (staatliche Schulen für Imam-Ausbildungen). Unsere Kinder werden zwangsmäßig in diese Schulen geleitet, welches ein Beispiel für Rechtswidrigkeit in der Türkei offenlegt. Die letzten Ratsbeschlüsse bedeuten die völlige Verleugnung von Gesetz, Religion, Gewissen und Weltanschauung, Glaubensfreiheit, universellem Recht und moralischen Werten.

Der gegenwärtige Religionsunterricht ist nichts anderes als eine Indoktrination des Sunnismus. Der türkische Staat verletzt damit die Prinzipien des Säkularismus und der Gleichheit und fördert eine fromme islamische Religiosität (die Scharia) unter dem Deckmantel der öffentlichen Bildung. Die Inhalte dieses Unterrichtes reproduzieren und bestärken Diskriminierungen in der Gesellschaft und untergraben zudem das bestehende Rechtssystem. Diese Situation erschwert den gesellschaftlichen Pluralismus und das friedliche Zusammenleben der Völker und Glaubensrichtungen. Die Pflicht des Staates besteht darin, alle Glaubensgemeinschaften, Gläubige und Ungläubige, gleichwertig zu behandeln und den Pluralismus beizubehalten. In diesem Sinne sollte Bildung das Ziel haben, alle Ungleichwertigkeiten aufzuheben und Religionsfreiheit zu gewährleisten.

Darum;

soll der Zwangsreligionsunterricht auf allen Stufen, auch im sogenannten Wahlpflichtbereich, abgeschafft und die Empfehlung, den Religionsunterricht auf den Hauptunterricht zu reduzieren, sofort gestrichen werden. Außerdem sollten die Artikel der unterzeichneten EMRK eingehalten, die Entscheidungen des EGMR zur Befreiung alevitischer Kinder vom Zwangsreligionsunterricht umgesetzt, das Bildungswesen durch Stiftungen organisiert und öffentliche Gelder an reaktionäre und religiöse Stiftungen sollten gestoppt werden.

Noch wichtiger ist, dass Bildungsprogramme und Lehrpläne auf der Grundlage von Wissenschaft, Frieden und den Anforderungen des Alters neu geordnet werden sollten. Die Kommerzialisierung der Bildung muss beendet werden. Da innerhalb der Sektenstrukturen versucht wird, arme Studenten kulturell und religiös aufzulösen, sollte das Wohnungsproblem dringend gelöst werden. Nationale Bildungsräte sollten in einen demokratischen und unabhängigen Beirat umgewandelt werden, alle Teile der Gesellschaft sollten in diesen Gremien vertreten sein und notwendige Vorkehrungen getroffen werden, damit Bildungsentscheidungen von Wissenschaftlern und Pädagogen getroffen werden.

Für eine Gesellschaft, die in Frieden und Güte zusammenlebt, fordern wir eine rationale, säkulare und wissenschaftliche Bildung.

Wir sagen Nein zu einer Bildung, die assimiliert.

Wir sagen Nein zu einer Bildung, die ausgrenzt, sexistisch und fern von wissenschaftlichen Grundlagen ist.

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